Krankenberichte

Karin, 56 Jahre aus Berlin.

Meine Geschichte

Am 11.11.2001 um 11.11Uhr p.m., also nachts hörte ich mit dem Rauchen auf..

Ich stellte erfreut fest, das mir das sehr leicht fiel. Das einzige Problem war meine Gewichtszunahme, alles in allem ca. 8kg.. Zu der Zeit war ich ohne Auto, mein Letztes war mehr kaputt als ganz und da meine Firma nur 2.5km von meiner Wohnung entfernt ist beschloss ich, meinen inneren Schweinehund zu überlisten und zu Fuß zu gehen. Da kamen in der Woche gut 25km zusammen, ich hatte meine Bewegung und konnte ganz schön schnell laufen.

Ich war gesund und fühlte mich topfit.

Im März 2003 bekam ich plötzlich eine Bronchitis. Von ehemaligen Rauchern hörte ich, dass das gar nicht so selten ist, obwohl ich schon über ein Jahr nicht mehr rauchte.

Trotzdem ging ich zum Arzt, der hörte meine Lunge ab und die hörte sich frei an. Ich bekam Antibiotika mit dem Hinweis, das die nur wirken, wenn es kein Virus ist. Doch auch 14 Tage später trat noch keine Besserung ein, es wurde eher schlimmer mit dem Luftmangel. Zum Glück war mein Hausarzt aus dem Urlaub zurück, es war Montag, der 7.April 2003.

Auch er horchte die Lunge ab, immer noch nichts, doch er traf sofort sämtliche Untersuchungsmaßnahmen, unter anderem meine Lunge röntgen.

Während ich im Röntgeninstitut auf meine Bilder warten durfte, holte mich der Röntgenarzt in sein Büro. Da hingen meine Bilder. Selbst ich, als totaler Laie sah, dass da was nicht stimmte. Ein Lungenflügel war total zusammengezogen, nur halb so groß wie die andere und ein großer weißer Fleck war zu sehen.

Der Arzt fragte mich, ob ich jemals in meinem Leben Lungenkrank war, was ich verneinen konnte. Er bat mich, mir zunächst keine Sorgen zu machen.

Also, machte ich mir Sorgen!!!

Am nächsten Tag kam ich mit Bildern und Befund zu meinem Hausarzt, den ich sehr gut und schon sehr lange kenne, sein Gesichtsausdruck gefiel mir überhaupt nicht.
Sofort rief er einen Studienkollegen mit Lungenpraxis an und vereinbarte für den gleichen Tag einen Termin für mich.
Dann lief die Maschinerie, CT, weitere Blutuntersuchungen, Bronchoskopie usw. usw..

Am 14.04.2003 das Urteil: Kleinzelliges Bronchialkarzinom.

Das ist die sehr aggressive Lungenkrebsart. Durchschnittliches Überlebensrate 4-12 Monate. Doch das wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Ich kam aus der Praxis, stand vor der Tür und wusste nicht wohin.

Da ich alleine lebe, rief ich meine Schwester und meinen Exmann an. Ich konnte vor lauter Weinen kaum sprechen, sagte nur: ich habe Krebs – und legte auf.

Immer noch stand ich vor der Tür, unfähig einen klaren Gedanken zu fassen und nichtwissend wohin. Also rief ich noch einmal an und verabredete mich mit ihnen in einem Bistro.

Es war eine der schlimmsten, aber auch schönsten Stunden, außer meiner Schwester, die selbst schon zweimal an Brustkrebs erkrankt war und gelernt hatte, mit dem Krebs zu leben, weinten wir alle.

Als ich nach Hause kam, ging es mir sehr viel besser. Ich konnte die Nacht durchschlafen und begann in den nächsten Tagen den “Rest meines Lebens” zu bedenken und zu organisieren.

Was wollte ich noch tun und was nicht?

Eigentlich war das alles unfassbar. Ich fühlte mich gesund, sah gesund aus und hatte auch keinen Gewichtsverlust.
Mein Chef war zu der Zeit im Urlaub und ich informierte ihn per SMS, ich glaube es waren drei oder vier.

Trotzdem, es gab keinen Zweifel. Gleich am nächsten Tag begann meine erste Chemotherapie im 28 Tage Rhythmus und sechs waren vorgesehen. Ich wurde drei Tage ambulant behandelt und ganz liebevoll von den Mitarbeitern betreut.

Am Gründonnerstag war der dritte und letzte Chemo- Tag. Da fing mein Körper an, sich zu wehren. Später erfuhr ich, das ein bestimmtes Medikament oft Probleme macht, bei mir also auch. Abends wurde mein Arm dick und gefühllos.

An diesem Tag riefen zwei Arbeitskolleginnen an und fragten, ob sie mich sozusagen als Vertreterinnen der Abteilung besuchen dürfen. Keine Frage, ich habe mich sehr gefreut. Ich war den Tränen nahe, als sie mir ein Geschenk überreichten. Alle zusammen, 20 Damen hatten einen Brief aufgesetzt:

 

Liebe Karin ,

von Herrn K. haben wir von Deinem Schicksalsschlag erfahren.
Wir sind alle in Gedanken bei Dir, auch wenn wir wissen, dass wir Dir so unmittelbar nicht helfen können.

Du bist eine so starke Frau und Persönlichkeit und wir denken und hoffen, dass Du mit dieser schweren Herausforderung in Deinem Leben umgehen kannst.

Deine eigenen Worte , die Du zu uns gesagt hast wenn es einem von uns mal schlecht ging: "dass man ( Frau) die Hoffnung zum Positiven niemals aufgeben soll".

Nun bitten wir Dich, dass Du dich daran erinnerst und stark bleibst, wie Du es immer gewesen bist.

Kein Stein der Dir in den Weg gelegt wurde , war zu groß für Dich

Nun sorge Du dafür , dass dieser Stein zum Kiesel wird !!!

 

Es war eines der schönsten Geschenke,
die ich in meinem Leben bekommen habe.