Krankenberichte

Brigitte, 66 Jahre aus Hamburg.

B.DrabinskiMeine Geschichte

Ich bin Brigitte Drabinski, Gründerin und Leiterin der Selbsthilfegruppe Lungenkrebs in Hamburg.

Im Oktober 1995 - ich war damals 53 Jahre alt - wurde bei mir ein Bronchialkarzinom diagnostiziert. Es traf mich, wie wohl jeden von uns, wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Eines Tages hatte ich einen Hustenanfall und entdeckte im Sputum Blut - nur ganz wenig, aber es genügte, um bei mir sämtliche Alarmglocken schrillen zu lassen. Am nächsten Tag war ich beim Arzt, der mich in die Radiologie überwies und, nachdem er das Röntgenbild gesehen hatte, sofort einen Termin für mich in der Lungenklinik in Großhansdorf am Stadtrand von Hamburg machte. Dort fiel dann zum ersten Mal das Wort "Lungenkrebs". Es handelte sich um ein nicht-kleinzelliges Bronchialkarzinom, und zwar ein Adenokarzinom, was mir damals nichts sagte. Mir wurden von der rechten Lunge der Oberlappen und ein Teil des Unterlappens entfernt.

Zunächst war ich überzeugt davon, nur noch wenige Wochen Lebenszeit zu haben, aber schon bald merkte ich, dass ich mich erholte. Ich dachte nicht mehr ans Sterben, sondern arbeitete darauf hin, wieder in meinen Beruf zurückkehren zu können. Das geschah dann auch im Mai 1996, zunächst mit 4 Stunden pro Tag, dann 6 Stunden, dann wieder volle Arbeitszeit.

Ich erfuhr sehr viel Unterstützung und Zuwendung von meiner Familie; trotzdem hatte ich nach einiger Zeit das Gefühl, eine Selbsthilfegruppe zu brauchen. Damals gab es ja noch keine Lungenkrebs-Selbsthilfegruppe, also schloss ich mich einer Gruppe der Frauenselbsthilfe nach Krebs an, die zwar für alle Krebsarten offen war, in der sich aber vorwiegend Frauen mit Brustkrebs befanden, jedoch niemand mit Lungenkrebs. Es war nicht ideal für mich, aber doch besser als nichts.

Es ging mir gut und ich fühlte mich relativ sicher. Auch wenn ich zu den Nachsorgeuntersuchungen ging, machte ich mir keine großen Sorgen. Im April 2002 jedoch gab es einen neuen Befund, dieses Mal in der linken Lunge. Es stellte sich heraus, dass es sich um einen zweiten Primärtumor handelte. Zunächst feierten wir im Mai meinen 60. Geburtstag in großer Runde, dann ging ich am Tag nach der Feier wieder nach Großhansdorf in die Klinik zur Operation. Da dieser Krebs schon Lymphknoten befallen hatte, bekam ich anschließend eine Strahlentherapie. Und wieder erholte ich mich gut und konnte mein Leben mit nur relativ geringen Einschränkungen weiterführen.

In dieser Zeit - Anfang 2003 - entschloss ich mich, eine Selbsthilfegruppe Lungenkrebs zu gründen. Ich hatte in den Jahren seit meiner ersten Erkrankung die Erfahrung gemacht, dass Lungenkrebs sich doch sehr von anderen Krebsarten unterscheidet und Betroffene demzufolge eine auf diese Krankheit zugeschnittene Selbsthilfegruppe brauchen. Die Gruppe entwickelte sich gut, und ich gründete 2007 eine zweite Selbsthilfegruppe Lungenkrebs in einem anderen Stadtteil Hamburgs.

Dann, im Winter 2007, erfuhr ich, dass der Lungenkrebs bei mir ein drittes Mal zugeschlagen hatte. Es handelte sich um einen dritten Primärtumor, wieder in der linken Lunge. Dieses Mal hatte ich richtig große Angst, aber sowohl mein Chirurg als auch mein Onkologe versicherten mir, dass ich auch nach der dritten Operation noch genügend Lungenkapazität haben würde. Ich vertraute meinen Ärzten und ließ mich operieren. Dieses Mal dauerte es länger, bis ich mich wieder erholt hatte, und ich bin auch bedeutend stärker eingeschränkt, aber ich habe mein Leben wieder selbst in die Hand nehmen können, leite wieder meine beiden Selbsthilfegruppen und habe auch eine Menge Pläne für die Zukunft.

Im übrigen glaube ich, dass die Arbeit für die Selbsthilfegruppen mir sehr hilft, mit meiner Krankheit gut zu leben.